FAQ

Wollen Reformvertreter/innen die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie abschaffen?

Nein. Es kursieren Fehlinformationen (Anlass gibt eine andere Petition), hier beispielhaft die Richtigstellung der Psychotherapeutenkammer Bayern:

Zitat:

In den letzten Tagen erhielten wir besorgte Anfragen von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen, die uns um Aufklärung baten, ob es zutreffe, dass ihre Approbation akut bedroht sei bzw. ihr Beruf durch eine Novellierung des Psychotherapeutengesetzes abgeschafft werden soll.

Dazu stellen wir fest:

  1. Eventuell bestehende Sorgen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen dürften in Zukunft ihren Beruf nicht mehr ausüben und könnten ihre Approbation verlieren, sind unbegründet.
  2. Es gibt seit Jahren Diskussionen in der Psychotherapeutenschaft und auch im Bundesministerium für Gesundheit, die beiden Berufe „Psychologische/r Psychotherapeut/in (PP)“ und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/in (KJP)“ im Rahmen einer Reform zukünftig zu einem Beruf der/des „Psychotherapeutin/en“ zusammenzuführen. Dabei ist geplant, die Zuständigkeit für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen als Fachgebiete oder Altersschwerpunkte weiter zu führen – ähnlich wie es im Rahmen des Berufes „Arzt/Ärztin“ eine/n Arzt/Ärztin für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie und -psychotherapie und eine/n Arzt/Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (und noch viele weitere Fachärzte) gibt. Diese Struktur des Berufes würde den Vorteil mit sich bringen, dass Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen durch eine entsprechende Weiterbildung auch die Zulassung zur Psychotherapie bei Erwachsen erlangen können (und umgekehrt).
  3. Ob und wenn ja, wann diese Bestrebungen realisiert werden sollten, ist gegenwärtig noch ungewiss (dazu sind Gesetzesänderungen die Voraussetzung). Falls solch eine Regelung käme, wären die bereits approbierten KJPs und PPs (sowie sich in Ausbildung befindliche künftige Kolleginnen und Kollegen) davon nicht betroffen. Ihre Approbation gilt weiterhin wie bisher und sie können ihren Beruf selbstverständlich weiterhin unter den gleichen Bedingungen wie bisher ausüben. Sie würden wahrscheinlich zusätzlich die Gelegenheit erhalten, die neuen Bezeichnungen zu erwerben und führen zu dürfen, wenn sie dies möchten. Dann könnten beide Berufe im Berufsrecht alle Altersgruppen behandeln.
  4. Pädagog/innen und Sozialpädagog/innen können die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten beginnen und erhalten nach Abschluss der Ausbildung eine Approbation.
  5. Um den künftigen Anforderungen in der Berufspraxis noch besser als bisher gewachsen zu sein, werden derzeit in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Bundespsychotherapeutenkammer und der Landespsychotherapeutenkammern Kompetenzprofile erarbeitet, über die approbierte Psychotherapeut/innen nach ihrer Ausbildung verfügen sollen. Dabei wird deutlich, dass neben der Psychologie auch anderen relevanten Wissenschaften, wie z. B. Pädagogik, Philosophie, Medizin etc. ein wichtiger Stellenwert zukommt. Abgeleitet werden die Kompetenzen von einem Berufsbild, das sich an den verschiedenen Aufgabenfeldern in der Psychotherapie mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen orientiert.
  6. Weitere Informationen finden Sie im Mitglieder-Rundschreiben, welches Ihnen demnächst zugehen wird, in den Berichten der BPtK, der PTK Bayern und in unterschiedlichen Beiträgen im Psychotherapeutenjournal.
  7. Zur vertieften Information vgl. unter „Links und Quellen“ Belegtext (2)

Wie könnte eine basale Direktausbildung aussehen?

Um sich selbst ein Bild zu machen und eine Idee davon zu erhalten, dass sich mehr strukturelle Klarheit durch Angleichung an die anderen akademischen Heilberufe wie auch mehr Gerechtigkeit innerhalb des Gesundheitssystems bezüglich aller anderen akademischen Heilberufler nur durch eine Direktausbildung herstellen lässt, empfehlen wir für den Anfang, folgende Texte zu lesen und die Grafik anzuschauen:

(12) Lubisch, Skizze Direktausbildung PTAktuell 2012-3

(15) Ströhm – Direktausbildung PTJ 2013-3

(17) DPtV Hintergrund 4 – Vorgezogene Approbation

Warum ist eine basale Direktausbildung wichtig?

Direktausbildung ist eine historische Chance

a) für die Berufsausübung

  • eindeutiger Status als akademischer Heilberuf durch die Parallelisierung der Ausbildungsstruktur mit anderen akademischen Heilberufen (Ärzte, Apotheker, Zahnärzte)
  • konsequente fachärztliche Gleichstellung
  • Sicherung des deutschen Sonderstatus in Europa Bei europäischer Angleichung muss unser akademischer Status eindeutiger sein als der derzeitige Sonderstatus, der gemeinsame Aus- und Weiterbildungspositionen mit den anderen akademischen Heilberufen behindert.
  • adäquates Honorarniveau, im Angestelltenbereich tarifrechtlich verankert
  • volle sozialrechtliche Befugnisse für Psychotherapeuten
  • ·Sicherung freier, autonomer Berufsausübung

b) Weiterbildung

  • Vergütung während der psychotherapeutischen Fachweiterbildung analog der Assistenzärzte in Weiterbildung
  • Klarer Rechtsstatus bei der Durchführung von Heilbehandlungen
  • Nur die Approbation schafft Rechts- und Vergütungssicherheit von Anfang an
  • Gleichstellung in Kliniken und anderen Einrichtungen mit den ärztl. Kollegen in Weiterbildung
  • Direkte Einflussnahme und Qualitätssicherung durch Musterweiterbildungsordnung und Aufsicht der Psychotherapeutenkammern
  • Mitgliedschaft im psychotherapeutischen Versorgungswerk, um bereits während der Weiterbildung eine Grundlage für die Altersvorsorge zu schaffen
  • Zukunft der qualitativ hochwertigen Versorgung weiter ausbauen
  • Konsolidierung und Weiterentwicklung der bislang hohen Ausbildungsstandards

c) Studium

  • Verfahrensvielfalt im psychotherapeutischen System
  • sämtliche wissenschaftlich anerkannte Verfahren an die Universität
  • Vermittlung psychologischer, psychotherapeutischer, medizinischer, pharmazeutischer und (sozial-)pädagogischer Inhalte
  • BAföG in der Ausbildung: Studium „Psychotherapie“

Vgl. Belegtexte – siehe folgende Texte unter „Links und Quellen„: (0) (9) (11) (14) (17)

Zur Information: Behnsen_Ordnungspolitische_Vorzüge_Direktausbildung -Endfassung und weiterer Text von Behnsen, Erika: „Grundrechtlicher Spielraum für die Regelung der Profession …“ – vgl. unter Links und Quellen“ (2)

Wie soll eine Weiterbildung finanziert werden?

Auch hierfür gibt es bereits Ideen, an denen verbändeübergreifend in Ideenworkshops weiter gearbeitet wird.

Vgl. Ströhm (15)

Vgl. Köhler (9)

Zur vertieften Lektüre vgl. das Rechtsgutachten von RA Stellpflug (16)

Wie lauten zusammengefasst die Argumente für eine Direktausbildung?

15 Argumente für ein Direktstudium mit anschließender Weiterbildung

 1.     Zugangsvoraussetzungen: Bachelor oder Master

Durch die Approbationsordnung werden vom Gesetzgeber die Inhalte vorgegeben, die als Mindestvoraussetzung für eine Approbation gelehrt werden müssen. Somit entfallen weitere Zugangsvoraussetzungen über das Abitur hinaus.

 2.     Identifikation als Psychotherapeut/in

Die Trennung in zwei Berufe KJP und PP wird aufgehoben. Es erfolgt keine weitere Zersplitterung der Professionen. Der Grundberuf „Psychotherapeut/in“ bestimmt die Identifikation und nicht der Altersschwerpunkt. Ein Wechsel zwischen den Altersgruppen ist jederzeit möglich, eine Identifikation mit dem Therapieverfahren ist unbenommen.

 3.     Verkürzung der Ausbildungsdauer

Studium und Ausbildung dauern heute im Durchschnitt mehr als 10 Jahre. Eine Verkürzung auf 8 Jahre durch ein Direktstudium macht Sinn. Durch die Staatsprüfung wird die Berechtigung zur Berufsausübung nach dem Studium möglich.

 4.     Eindeutiger Status nach dem Studium

In der Weiterbildung wäre mit der Approbation der Status als Angehörige/r eines Heilberufes erreicht, vergleichbar mit dem eines Assistenzarztes. Nach der Weiterbildung wäre dann das Facharztniveau erreicht und eine vergleichbare Eingruppierung in einem arbeitsrechtlich geregelten Tarifvertrag könnte beansprucht werden. Im Psychotherapeutengesetz fehlt die Regelung gänzlich, es gibt weder eine Aussage zum arbeitsrechtlichen Vertragsstatus, noch zur Vergütung.

5.     Angemessene Vergütung als Einsteiger/in in den Psychotherapeutenberuf

Das Studium qualifiziert zur Ausübung des Berufs (Assistenz-) „Psychotherapeut/in“. Die Verfahrensvertiefung findet als Weiterbildung in der Ausübung des Berufes statt. Diese Berufstätigkeit wird tariflich geregelt und angemessen vergütet. Arbeitsrechtliche Standards, wie bspw. Mutterschutz, Urlaubs- und Überstundenregelungen, werden damit geregelt.

 6.     Attraktivität der Aus- und Weiterbildung sichert den Nachwuchs des Berufs

Durch die Verzahnung von Weiterbildung und Patientenversorgung besteht eine ausreichende Anzahl von Stellenangeboten für die Weiterbildung im stationären und ambulanten Bereich. Gesichert wird ausreichend Nachwuchs und die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland (Stichwort: Psychotherapeutischer Fachärztemangel).

 7. Tragweite der Approbation

Durch die Ausweitung der Psychotherapeutischen Tätigkeit entstehen Arbeitsplätze in den neuen Arbeitsfeldern. Prominentes Beispiel ist die erfolgreich etablierte Neuropsychologie.

 8. Überwindung der einseitigen Ausbildung für den ambulanten Bereich

Stationäre und ambulante Berufstätigkeit während der Weiterbildung können kombiniert werden, sie erfolgen unter Anleitung von approb. Fachpsychotherapeuten, deren Berufsaufsicht die Kammer hat.

9.     Grundlagen der wissenschaftlich anerkannten Verfahren während des Studiums

Durch Vorgaben in der Approbationsordnung werden die Grundlagen von allen wissenschaftlich anerkannten Verfahren an den Hochschulen gelehrt. Dadurch besteht die verbesserte Chance, dass neben der Verhaltenstherapie auch andere Verfahren an den Hochschulen Fuß fassen können. Psychotherapieforschung, Promotionsthemen und -möglichkeiten können mit Praxiswissen besser verzahnt werden.

10.  Qualität der Weiterbildung

Die aktuelle Strukturqualität, die durch die Ausbildungsinstitute gewährleistet wird, kann noch verbessert werden, weil in der Weiterbildungsordnung verfahrensspezifische Besonderheiten besser berücksichtigt werden können. Die akademische Aus- und Weiterbildung macht auch für die Patienten Qualität sichtbarer, als der derzeitige Sonderstatus der „Privatausbildung“.

  11. Kompetenzerweiterung und Leitungsfunktion

Beispielsweise könnten Ein- und Überweisungen sowie Hilfsmittelverschreibungen in unserem Heilberuf gesetzlich geregelt wie auch angemessen tariflich geordnete Leitungsfunktionen ermöglicht werden, da die strukturelle Parallelisierung der akad. Heilberufsaus- und weiterbildung dies nahelegt.

 12. Neuropsychologische Weiterbildung direkt nach dem Studium möglich

Bislang ist die langjährige Weiterbildung erst nach Abschluss von Studium und postgradualer Ausbildung, also nach durchschnittlich 10 Jahren möglich.

 13. Familienfreundliche Weiterbildung

Aufgrund der tarifgemäßen Vergütung und der beruflichen Aufstiegschancen wird der Beruf auch wieder für männliche Absolventen interessanter. Teilzeitstellen im stationären und ambulanten Setting ermöglichen die Weiterbildung auch neben familiären oder anderen Aufgaben.

 14. Berufsstand regelt die Inhalte der Weiterbildungsgänge selbst

Neue inhaltliche Anforderungen an die Weiterbildung können ohne Gesetzesnovellierung umgesetzt werden.

15.   Patienten- und Psychotherapeutensicherheit

Bislang behandelt ein/e Ausbildungsteilnehmer/in über viele Jahre während der gesamten Ausbildung Patienten ohne Approbation. Der Supervisor trägt die Verantwortung, obwohl er den Patienten in der Regel nicht kennt. Die Approbation nach dem Studium führt zur Mitgliedschaft in der Kammer, so dass bei Regelverstößen die Kammer die Berufsaufsicht führen kann und der Psychotherapeut durch die Berufsordnung orientiert und geschützt ist.

Wie soll die Umstellung auf einen Studiengang „Psychotherapie“ gelingen?

Die Deutsche Gesellschaft für (Klinische) Psychologie DGPs arbeitet seit geraumer Zeit an einem ausgefeilten Konzept für den Studiengang „Psychotherapie“. Alle Überlegungen sind so aufgestellt, dass die meisten Institute für Klinische Psychologie den Wechsel zum Studiengang (z.B.) „Klinische Psychologie und Psychotherapie“ direkt vollziehen können. Der zukünftige Approbationsstudiengang Psychotherapie wird wahrscheinlich mit einer Bachelor/Mastersystematik unterlegt werden, dass so wie bisher eine große Durchlässigkeit zu den anderen Bereichen der Psychologie bestehen wird. Die Psychologie ist eine wichtige Grundlage für die heutige Psychotherapie und soll weder beschnitten noch abgeschafft werden.

Übergangsregelungen werden für einen reibungslosen Übergang sorgen, ähnlich wie vom Übergang von Diplom zu Bsc/Master. Das Interessante wird vor allem in der Erhöhung des praktischen Anteils liegen, was das Studium praxisnäher und vielfältiger machen wird, z.B: mit Hochschulambulanzen.

Man kann sich das so vorstellen: Im Grunde bleibt vieles wie es ist, man kann z.B. weiterhin Organisationpsychologie studieren; in einem Studiengang Psychotherapie wird genauso wie jetzt in der Klinischen weiterhin allgemeine Psychologie, Sozialpsychologie, Methodenlehre etc. stattfinden. Wer zukünftig psychotherapeutisch tätig werden möchte, müsste dann diejenigen Inhalte studieren und praktische Anteile erfüllen, die in einer Approbationsordnung vorgeschrieben werden. Nach einem Staatsexamen kann man im Anschluss die vertiefende Weiterbildung als ‚Assistenzpsychotherapeut/in bzw. Psychotherapeut/in in Weiterbildung‘ aufnehmen. Neue bzw. leicht veränderte Studiengänge sind für Universitäten nicht ungewöhnlich, entsprechende Dozierende sind entweder bereits vorhanden oder werden von außen dazu geholt. Die Approbationsordnung besteht noch nicht, sondern sie wird derzeit noch diskutiert, was dafür genau wichtig ist.

Zitat E. Behnsen: „Zusammenfassend ist deshalb festzustellen, dass das Modell einer Psychotherapieausbildung nach einem Hochschulstudium mit Masterabschluss sowohl
für den Zugang zum Beruf des PP als auch zum Beruf des KJP rechtlich möglich wäre und dass es, wie das Forschungsgutachten konstatiert, im Prinzip nach den Ergebnissen der Evaluation der aktuellen Ausbildungslandschaft durchaus als gutes Modell bezeichnet werden kann.“

Siehe auch Text (3) unter Links: „Ausbildungsziele eines Psychotherapiestudiums“

Wie kann ein neuer Studiengang an den Universitäten finanziert werden?

Hierfür gibt es verschiedene Überlegungen. Die Politik und im größeren Rahmen die Volkswirtschaft hat ein großes Problem mit den Kosten und Folgen psychischer Erkrankungen. Der Druck ist enorm, und die Ärztinnen und Ärzte können den Behandlungsbedarf nicht annähernd decken, weder mit Know-how noch mit Studierenden. Deswegen ist die Politik auch selbst an einer Reform interessiert, um zukünftig mit der Profession die Versorgung zu gestalten. Es ist kaum vorstellbar, dass die Politik die Reformthemen aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht angeht. Die jährlichen Kosten aufgrund psychischer Erkrankungen liegen im Milliardenbereich. Die Umstellung /Finanzierbarkeit des Studiums ist im Vergleich dazu „gering“. Gerade sind für das Upgrading der Rettungsassistenten 300 Millionen Euro ausgegeben worden; auch dagegen brauchen wir wenig, weil die Strukturen der Klinischen Psychologie bereits vorhanden sind. So lässt sich davon ausgehen, dass der Staat entsprechende Mittel für die Direktausbildung (Reform) zur Verfügung stellt. Weitere Stellen können zudem auch bspw. aus neuen Forschungsprojekten, insbesondere der dringend erforderlichen Psychotherapieforschung (Drittmitteln) finanziert werden.

Woher sollen neue Professorinnen und Professoren kommen?

Siehe auch unter Finanzierung

Es wird zunächst eher keine neuen Professuren geben. Wir benötigen vor allem approbierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als Lehrende (insbes. TP/PA); das sollte für die Zukunft gesichert werden. An den Universitäten ist derzeit die VT-Lehre stark vertreten, dies sollte sich im Prozess der Reform weiter in Richtung von vielfältigen Verfahren entwickeln. In einer Approbationsordnung ließe sich sehr gut verankern, dass insbesondere alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren an der Universität vermittelt werden müssen, dies könnte kurzfristig über entsprechende Lehrbeauftragungen gelöst werden. Da es eine Vernetzung mit den bisherigen Ausbildungsinstituten gebe, kämen möglicherweise auch neue Dozentinnen und Dozenten aus der Weiterbildung an die Universität. Auch Gast-Professuren sind denkbar.

Werden Gelder aus anderen psychologischen Bereichen dafür gestrichen?

Die psychologischen Fachbereiche setzen sich bereits jetzt für das Gegenteil bzw. ausreichend Finanzmittel ein. Wenn etwas wie ein Studiengang hinzukommt, dann sollten nicht nur „alte Stellen“, sondern auch neue geschaffen werden. Es bedarf neuer Mittel.

Alle bisherigen Fachbereiche sind nach wie vor als Grundlagenwissenschaften genauso wie für die Klinische auch für den Studiengang Psychotherapie notwendig. Entsprechende Spezialisierungen können immer noch nach einer Approbation vorgenommen werden. Zum Beispiel nach Approbationsstudium einen Master in ABO absolvieren oder umgekehrt. Auch jetzt benötigt man für die PT-Ausbildung die Spezialisierung in Klinischer Psych., der Master in ABO würde auch jetzt nicht reichen. Die Wirtschaft wird zudem auch solche Absolventen nachfragen. Die Approbation wird für die anderen Bereiche zunehmend wichtiger werden, und eine bessere Durchlässigkeit wird befördert. Den „Sogeffekt“ gibt es auch jetzt schon; mehr als 75% setzen auf Klinische Psychologie. Die anderen Fachbereiche werden ggf. stärker um Studierende werben müssen, dies sollte kein Argument dagegen sein. Durch Stärkung der Psychotherapie könnte es gleichzeitig auch viele Interessenten geben, die sich während des Studiums doch mehr für Umweltpsychologie, ABO, Neurowiss. etc. interessieren und wechseln.

Wie viele Universitäten könnten diesen Studiengang Psychotherapie erstmals anbieten?

Die o.g. DGPs haben unserer Einschätzung nach sehr abgewogen, was umsetzbar und was nicht umsetzbar ist; sie vertreten dabei auch ihre Ausbildungsinstitute. Wir hörten von einer Schätzung der DGPs, dass „über Nacht“ bereits jetzt mehr als 50% der klinischen Institute eine Direktausbildung umsetzen könnten, jedoch das ausgewiesene Ziel sei, dass es auch die anderen Institute umsetzen können. Insbesondere auch all jene, die bereits jetzt Klinische Psychologie auf dem Masterniveau anbieten (vgl. DGPs). Überall dort wäre ein spezifisches Knowhow für ein solides Grundlagenstudium vorhanden. Dass dieses Grundlagenstudium nicht allein behavioristisch, sondern vielfältiger werden soll und kann (d.h. psychodynamischer, humanistischer, systemischer u.a. – vgl. Psychotherapeutenjournal 2/2014), ist kein Geheimnis. Bereits vor vielen Jahren fragten sich zahlreiche Psychologie-Studierende, warum sie eigentlich nicht an ihrer Universität direkt auch Psychotherapie und vielfältige psychotherapeutische Inhalte studieren könnten. Warum ein so langer Umweg? Das Studium Psychotherapie hätte eine eigene, universitäre Approbationsordnung, in der sicher Sorge für die umfassende, insbesondere spezifisch-psychologische und v.a. psychotherapeutische Wissensvermittlung getragen werden würde.

Was ist mit den Studierenden, die nicht in einen solchen Studiengang reinkämen (Frage nach Übergangsregelungen)?

Diese Frage hat es schon immer gegeben, und sie war noch nie leicht zu beantworten. Sie sollte aber auch kein Hinderungsgrund für ein Direktstudium sein. D.h. wenn es (wie heute) Studierende gibt, die in einen Studiengang nicht hineinkommen, dann stehen unterschiedliche Möglichkeiten bereit. Hier informiert dann möglicherweise die studentische Beratung oder der „ASTA“. Es gelten ansonsten übliche universitäre Regeln bei Nicht-Zulassung: z.B. nächstes Semester erneut bewerben, an einer anderen Universität bewerben, ggf. einklagen oder eine Hochschulzugangsberechtiungsprüfung für Berufstätige aufnehmen. Es wird zudem Übergangsregelungen geben müssen.

Was passiert, wenn dieser Studiengang mit einem hohen NC belegt wird? Könnten Interessierte etwas anderes studieren und die noch fehlenden Inhalte nachholen?

Das lässt sich so genau noch nicht sagen. Doch wir gehen davon aus, dass man etwas anderes zur Überbrückung von Wartezeit studieren kann. Eine Approbationsordnung hätte dementsprechend zu regeln, welche Bausteine genau benötigt werden. Möglicherweise würde es zu den Mindestanforderungen an ein Direktstudium Psychotherapie gehören, dass es auch modulare Möglichkeiten in einer adäquaten Nachbardisziplin gibt, um sich damit einen Baustein, wie z.B. Entwicklungspsychologie, anerkennen zu lassen. Da die Kammern für die Weiterbildung zuständig wären, hätte zudem die Profession ein besseres Mitspracherecht bei entsprechenden universitären Zugangsregelungen und Inhalten.

Was wird aus den bisherigen, privaten Ausbildungsinstituten?

Die Ausbildungsinstitute bleiben, denn es ist nach dem Direktstudium eine mind. 5jährige Weiterbildung in einem dann zu schaffenden „Weiterbildungssystem“ zu absolvieren. An das Universitätsstudium Psychotherapie, dass Psychologie- wie auch Pädagogik-Bausteine u.a. enthalten wird und damit ein  einheitl. Qualifikationsniveau sichert, anschließend können und sollten sich die approbierten Psychotherapeuten erfahrens- und altersgruppenbezogen in einem Weiterbildungsgang, der von ihrer Psychotherapeutenkammer vorgegeben wird (siehe Weiterbildungsordnung), zum „Fachpsychotherapeuten“ (ähnl. d. Fachärzten) spezialisieren. Dies bleibt wichtig für all jene, die später fundiert im Heilberuf Psychotherapeut/in ambulant, teilstationär oder stationär tätig werden wollen. Gleichzeitig sollte es keinen Zwang für eine abschlussrelevante Spezialisierung geben. Nach der Approbation ohne Fachkunde ließen sich andere Wege finden und lediglich Selbstzahler/innen behandeln. Für nun auch endlich fair und tariflich zu vergütende Weiterbildungsassistenten kann es zukünftig drei Träger geben: niedergelassene Psychotherapeuten, psychiatrische und psychosomatische Kliniken und Weiterbildungsinstitute (= heutige Institute). Es geht gar nicht ohne die Institute, und das ist auch gewollt. Natürlich sollte ausreichend Geld für die Weiterbildung zur Verfügung gestellt werden, hier gibt es z. Zt. deutliche Signale aus der Bundespolitik, dass eine psychotherapeutische Versorgung auf hohem Qualitätsniveau dem Staat auch viel wert ist. Das heißt: Die heutigen Institute bleiben, sie sind für die Weiterbildung (hier ändert sich die Struktur) enorm wichtig. Regelungsbedarf gibt es einigen, z.B. bei der Weiterbildungsordnung der Kammer.

Siehe auch unter „Links und Quellen“: Lubisch (12) und Ströhm (15)

Warum reicht eine „kleine Reform“ nicht?

Mit der so genannten “kleinen Lösung” ist vor allem für die privaten Ausbildungsinstitute der Wunsch verbunden, dass vieles so bleibt wie es ist und dass es ausreichend sei. Angehen möchte man bei einer kleinen Lösung vor allem die Zugangsregelung  (Masterniveau als Zugang zur Ausbildung) sowie eine “erste” Entgeltregelung für PiA in der praktischen Tätigkeit, wo wir Jungen Psychotherapeuten uns doch bereits seit Jahren für adäquate tarifliche Lösungen einsetzen. RA Gleininger orientiert sich zudem fälschlicherweise an der zu geringen finanz. Unterstützung wie wir sieim Rahmen eines (jur.) Referendariats kennen. Übersehen wird jedoch, dass a) anders als im Referendariat, PiA ihre parallel stattfindende Ausbildung (und Lebensunterhaltungskosten!) selber zahlen und b) die PiA weiterhin in den Kliniken als „Praktikantinnen und Praktikanten“ geführt werden würden, während bei Ärztinnen und Ärzten das „AiP“ berechtigterweise bereits vor 10 Jahren abgeschafft wurde.

Unter anderem welche psychologische Wirkung das in Bezug auf die Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ hat, wird wohl nicht näher ausgeführt werden müssen. Außerdem gehen wir davon aus, dass auf diesem Wege auch die hart erkämpften „PiA-Stellen“, die in geringem Ausmaß bereits heute tariflich (besser als Referend.) vergütet werden, wieder verloren gehen. Wir möchten keine zuverlässige Unterfinanzierung für die Psychotherapieausbildung.

Der Staat würde sich finanziell an dem basalen Modell „Direktausbildung“ mit Studium und Weiterbildung deutlich stärker beteiligen. Bei einer “kleinen Lösung” wäre dies sicher nicht der Fall.

Auch die Entwicklung für die faire, gleichberechtigte Eingruppierung in tarifrechtliche Lösungen wäre durch eine Direktausbildung deutlich erleichtert. Es würde die Situation in den Kliniken verbessern. Die „kleine Lösung“ hält die „PiA-Sondersituation“ unsers Erachtens und unglücklicherweise aufrecht.

Derzeit bedeutet das im Tarifrecht z.B., dass Psychologische Psychotherapeuten mit u.U. nach vielen Jahren Berufserfahrung bei Erhalt der Approbation wie junge Ärztinnen/Ärzte frisch nach dem Studium eingruppiert werden. Die Berufserfahrung und langjährige Ausbildung findet tariflich keinerlei Berücksichtigung. Während die Ärztinnen und Ärzte jedes Jahr eine tariflich geregelte Gehaltserhöhung bekommen, bleibt dies PP/KJP vorenthalten. Es bedarf gerechter Lösungen! Das kann zudem bedeuten, dass approbierte Psychologische Psychotherapeuten wie auch KJP in den ersten Jahren weniger Gehalt bekommen, als es Diplom-Psychologen mit erster Berufserfahrung erhalten. So kann es nicht weitergehen.

Bei Honorarverhandlungen innerhalb des Systems der kassenärztlichen Vereinigung taucht immer wieder das Argument auf, dass die Ausbildung der Psychotherapeuten nicht der ärztlichen entspreche und es daher auch keinen Anspruch auf vergleichbare Vergütung gebe. Die „kleine Lösung“ würde dieses unsägliche Problem aufrechterhalten.

Unseres Erachtens reicht es nicht, diese anderen Stellschrauben, die Idee von Fairness auszublenden, die “Wenig-Reform” greift deutlich zu wenig!

Doch auch eine duale Direktausbildung kann diese Problematik nicht lösen, denn problematisch bleibt hier u.a. die vorgesehene „eingeschränkte Heilerlaubnis“. Bisher besteht ohne Approbation gar keine Heilerlaubnis, einunzumutbarer Zustand! Die heilkundlichen Tätigkeiten der PiA sind aktuell streng genommen rechtswidrig. Eine basale Direktausbildung, in der das Studium mit Approbation und eindeutiger erster Heilerlaubnis unter fachlicher Begleitung (analog den Assistänzärztinnen und Assistenzärzten) abschließt, würde diesen Missstand endlich beseitigen.

Viele Ausbildungsinstitute haben in der Tat gute qualitative Standards, sie bieten eine fachgerechte Ausbildung an, doch eine gesellschaftlich derart wichtige Ausbildung gehört nicht an Privatinstitute, die andere Interessen als die staatliche Hand verfolgen. Denn immer noch zu viele Institute halten qualitative Ausbildungserfordernisse nicht ein.

Bei einer „kleinen Lösung“ bliebe die Regelung professioneller heilberuflicher Qualitätsstandards in den Händen privater Institute, was bedeutet: In einigen Ausbildungsinstituten bleiben, insbesondere die finanziellen Bedingungen sowie der Umfang an Arbeitseinsatz, die insgesamt zu erfüllenden Bedingungen intransparent, was weiterhin Spielraum für Ausbeutung und Missbrauch liefert.

Nach einer basalen Reform würden die Heilberufe ihre Qualitätsstandards den Psychotherapeutenkammern übertragen, hier wären die inhaltlichen Anforderungen an die Weiterbildung mit den fachlichen (verfahrensbezogenen, altersgruppenbezogenen) Qualifikationsvorgaben vom Berufsstand selbst zu regeln, so wie wir es von anderen verkammerten Berufen kennen. Dadurch gebe es auch endlich eine effizientere und klar geregelte Unterstützung für Weiterbildungsteilnehmer/innen in Fällen von Missständen an den Instituten. Bislang wird die Verantwortung hin und her geschoben.

Die Psychotherapeutenkammern vertreten bereits heute, dies auch auf Bundesebene, die Interessen der rund 40.000 Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Deutschland.

Und auch die derzeit bestehende Redundanz mit den Inhalten des Studiums der Klinischen Psychologie könnte bei „kleiner Lösung“ vermutlich kaum vermieden werden. Erst mit basaler Reform (Direktausbildung) könnte durch eine formale Definition des Berufs der Psychotherapeuten in § 1 des Psychotherapeutengesetzes auch eine Öffnung für zum Beispiel Prävention oder für Heilversuche in bisher nicht anerkannten Verfahren sowie die Lehre aller wissenschaftlich anerkannten Verfahren ermöglicht werden. Eine eindeutige Approbationsordnung könnte dies untermauern.

Denn auch in den anderen Heilberufen, wie Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, ist eine Einheit von Lehre, Forschung und Heilbehandlung als ein charakteristisches Merkmal des akademischen, staatlich geregelten Heilberufs umgesetzt. Die „kleine Lösung“ bietet diese wünschenswerte Weiterentwicklung und Stabilisierung der Profession im Gesundheitssystem nicht. Die stärkere Verzahnung mit der Universität und Wissenschaft, bspw. über wichtige und erforderliche Psychotherapiestudien und v.a. Psychotherapieforschungsprojekte, würde mit der “kleinen Reform” kaum eintreten, d.h. über Jahre würde die angemessene, wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung des Psychotherapeutenberufs im Gesundheitssystem fehlen.

Und auch die vom Berufsstand schon lange geforderte Aufhebung der Befugniseinschränkungen (bislang kein Heilmittelverordnungen, keine Krankenhauseinweisungen, keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, keine Überweisungen zu Vertragsärzten und anderes) wäre mit einer „kleinen Reform“ in nächster Zukunft kaum erreichbar.

Die “kleine Lösung” wäre vor allem nicht wie die basale Direktausbildung eine formale Parallelisierung der Psychotherapeutenausbildung mit der von anderen akademischen Heilberufen, und nur diese ermöglicht unseres Erachtens langfristig eine angemessene „fachärztliche Gleichstellung“ und Weiterentwicklung, insbesondere im stationären und teilstationären Bereich.

Aktuell befinden sich Psychologische Psychotherapeuten in einer Sonderrolle:

–          Akademische Ausbildung, jedoch kein akademischer Heilberuf

–          Facharztstandard, jedoch kein Facharztstatus

–          Arztregistereintrag, jedoch mit Befugnisbeschränkungen, obwohl die professionelle Kompetenz vorliegt: Ausführliche Ausbildung in Diagnostik, Behandlung psychischer Erkrankungen u.a., jedoch nicht die Anerkennung, damit auch bei der Behandlungsplanung und –steuerung hinzugezogen zu werden (Einweisung in psychiatrische oder psychotherapeutische Kliniken, Einleitung einer psychosomatischen Reha, Atteste und Krankschreibungen bei psychischen Erkrankungen).

Siehe „Links und Quellen“ (18), (19), (11)

Als das Psychotherapeutengesetz von 1999 verhandelt wurde, war es vermutlich nötig, diese Kompromisse einzugehen. Damals war der Schritt zur gleichberechtigten Anerkennung zu groß, doch heute ist er denkbar! Die „kleine Lösung“ vertut diese Chance und hält die unsägliche Sonderrolle aufrecht.

Was völlig unberücksichtigt bleibt in der „kleinen Lösung“ ist die Frage, was passiert, wenn es zu einer europäischen Angleichung kommt? Nur der rechtlich klare Status als akademischer Heilberuf schützt uns dann, nicht wie viele andere europäische Kolleginnen und Kollegen wieder zum Heilhilfsberuf zu werden.

Siehe „Links und Quellen“ (9)

Zur Vertiefung: (7) Juristische Probleme der Reformmodelle // (10) Rechtsgutachten zur Umsetzbarkeit einer basalen Direktausbildung

 

Wann ist mit einer Reform zu rechnen?

18. Februar 2016 sandten wir, das Sprecherteam der Jungen Psychotherapeuten der DPtV, eine Anfrage zum aktuellen Stand der Ausbildungsreform an die gesundheitspolitischen SprecherInnen des Bundestages, was innerhalb von kurzer Zeit zu positiven Reaktionen führte. Hintergrund der Anfrage war die Information, dass das Bundesministerium die Ausbildungsreform im internen Zeit- und Arbeitsplan aufgeschoben habe. In unserem Schreiben wiesen wir daher eindrücklich auf das Koalitionsversprechen der Regierung, noch in dieser Legislaturperiode das Psychotherapeutengesetz samt den Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung zu überarbeiten, hin und fragten die Mitglieder des Gesundheitsausschusses direkt wann die PiA mit einem Ende der prekären Situation rechnen können und wieso es zu unzumutbaren Verzögerungen im Gesetzesentwurf kommt.

Auf unsere Anfrage sind bereits einige Antworten eingegangen, die zuversichtlich stimmen. Mehrheitlich heißt es von den gesundheitspolitischen SprecherInnen, dass weiterhin geplant sei den ersten Arbeitsentwurf einer neuen Gesetzgebung bis zum Sommer 2016 vorzulegen. Vorab gäbe es bzgl. der gesetzgeberischen Umsetzung jedoch viele offene Fragen – vor allem zu den Inhalten und der Finanzierung eine Studiums Psychotherapie -, die zu klären seien. Das BMG arbeite an einer umfassenden Konzeption des Direktstudiums, bei der sowohl die Modelle der Berufsverbände als auch kritische Positionen Beachtung finden sollen.